{"id":1698,"date":"2017-10-04T20:56:11","date_gmt":"2017-10-04T20:56:11","guid":{"rendered":"http:\/\/b-logos.de\/?p=1698"},"modified":"2017-12-07T00:48:51","modified_gmt":"2017-12-07T00:48:51","slug":"die-genetische-atombombe-deutscher-ethikrat-mahnt-dringend-zu-globaler-diskussion-von-keimbahneingriffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/b-logos.de\/?p=1698","title":{"rendered":"Die genetische Atombombe: Deutscher Ethikrat mahnt dringend zu globaler Diskussion von Keimbahneingriffen"},"content":{"rendered":"<p>Keimbahneingriffe sind Manipulationen am Erbgut von Embryonen, welche auch an deren Nachkommen weitervererbt werden. Solche k\u00fcnstlichen Erbgutver\u00e4nderungen werden also weiterverbreitet und bleiben m\u00f6glicherweise dauerhaft im Erbgut der Menschheit erhalten. Da in den letzten Monaten \u201erasante\u201c Fortschritte in der entsprechenden genetischen Technik gemacht wurden, dr\u00e4ngt der Deutsche Ethikrat nun auf eine rasche globale <del>Regulierung durch ethische Richtlinien<\/del> Diskussion ethischer\u00a0Implikationen.<!--more--><\/p>\n<p>Zitate aus der Aussendung des Ethikrates:<\/p>\n<p>\u00fcber das grunds\u00e4tzliche Problem:<\/p>\n<blockquote><p>Entwicklungen der j\u00fcngsten Zeit verdeutlichen jedoch, dass die Forschung auf diesem besonders sensiblen Gebiet erheblich schneller voranschreitet als erwartet und damit zumindest in einigen Staaten Fakten geschaffen werden &#8230;\u00a0Im Vergleich zu diesen <em>[vorausgegangenen; Anm. Damian]<\/em> Experimenten berichtete das amerikanisch-chinesisch-s\u00fcdkoreanische Wissenschaftlerkonsortium um den US-amerikanischen Stammzellforscher Shoukhrat Mitalipov nun allerdings von erheblich besseren Resultaten.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Auch wenn die f\u00fcr die aktuelle Studie verwendeten <span style=\"text-decoration: underline;\">Embryonen gezielt f\u00fcr dieses Experiment hergestellt worden sind, um die Machbarkeit des benutzten Verfahrens zu demonstrieren, und im Anschluss wieder vernichtet wurden<\/span>, ist die Tragweite derartiger genetischer Manipulationen beim Menschen erheblich. <em>[Da klingt Erleichterung durch, dass die \u201ehergestellten\u201c Embryonen vernichtet wurden. Anm. Damian]<\/em> Sie kann im Moment nur erahnt werden und entzieht sich der Vorhersagekraft wissenschaftlicher Untersuchungen. Mehr noch, <span style=\"text-decoration: underline;\">erstmals in der Wissenschaftsgeschichte<\/span> sollen medizinische Ma\u00dfnahmen entwickelt und gegebenenfalls eingesetzt werden, die nicht allein einen einwilligungsf\u00e4higen erwachsenen Patienten oder \u2013 und schon dies ist ethisch umstritten \u2013 ein noch nicht einwilligungsf\u00e4higes geborenes oder ungeborenes Kind betreffen, sondern Generationen noch nicht gezeugter Nachkommen unbestimmter Zahl. <em>[Hervorhebung durch mich]<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>\u00fcber die Diskussion auf der Ebene der wissenschaftlichen Akademien in vergangenen Jahren:<\/p>\n<blockquote><p>F\u00fchrende Forscher, auch solche, die sonst durchaus selbst die Grenzen der Forschung in andernorts verbotene Bereiche zu erweitern geneigt sind, sprachen sich f\u00fcr Zur\u00fcckhaltung und Moratorien zur Anwendung von Genome-Editing an menschlichen Embryonen aus.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Federf\u00fchrende Organisatoren [des ethischen Diskurses] waren bemerkenswerterweise die nationalen Wissenschaftsakademien jener L\u00e4nder, in denen gegenw\u00e4rtig und gewiss auch k\u00fcnftig der Einsatz von Genome-Editing in der embryonenverbrauchenden Forschung besonders intensiv betrieben wird: USA, Gro\u00dfbritannien und China.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Die Risiken erschienen als noch langfristig unbeherrschbar und die Erfolgschancen demgegen\u00fcber als zu gering. Au\u00dferdem er\u00f6ffnet die Pr\u00e4implantationsdiagnostik in vielen L\u00e4ndern eine \u2013 allerdings ihrerseits umstrittene \u2013 alternative M\u00f6glichkeit, die Weitergabe schwerer Erbkrankheiten im individuellen Fall <em>[durch Abtreibung! Anm. Damian]<\/em> zu verhindern.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00fcber den pl\u00f6tzlichen Gesinnungswandel im Jahr 2017:<\/p>\n<blockquote><p>Vor diesem Hintergrund muteten die Empfehlungen erstaunlich an, die im Februar 2017 von einem gemeinsam von der US-amerikanischen National Academy of Sciences und der ebenfalls US-amerikanischen National Academy of Medicine einberufenen Komitee erarbeitet wurden. Sie enthielten unter anderem die These, Keimbahninterventionen seien in streng regulierten Risikogrenzen und verbunden mit begleitender Forschung zu solchen Risiken ethisch dann verantwortbar, wenn der Eingriff die \u201eletzte vern\u00fcnftige M\u00f6glichkeit\u201c f\u00fcr ein Paar sei, ein gesundes, biologisch eigenes Kind zu bekommen, so die CoVorsitzende des Gremiums Alta Charo. <em>[Aha! Das Recht eines Paares auf ein gesundes, biologisch eigenes Kind wird h\u00f6her gewertet als eine Gef\u00e4hrdung der Menschheit! Anm.]\u00a0<\/em>Der Report gibt eine subtile aber gleichwohl bedeutsame Ver\u00e4nderung in der Bewertung ethischer Verantwortbarkeit zu erkennen: Sie wechselt von einem \u201eNicht-Erlauben, solange die Risiken nicht gekl\u00e4rt sind\u201c zu einem \u201eErlauben, wenn die Risiken besser eingesch\u00e4tzt werden k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Offensichtlich wird nun weniger \u00fcber das Ob als vielmehr nur noch \u00fcber das Wann der Geburt des ersten per Genome-Editing genetisch ver\u00e4nderten Menschen spekuliert.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcber die gesamtgesellschaftliche Diskussion:<\/p>\n<blockquote><p>Es f\u00e4llt auf, dass sich die Politik gegen\u00fcber der in fast allen Stellungnahmen \u2013 bis hin zum Washington-Summit \u2013 erhobenen Forderung nach breiten \u00f6ffentlichen Debatten und erforderlichen Regulierungen national wie international zur\u00fcckh\u00e4lt. &#8230; M\u00f6glicherweise gr\u00fcndet die z\u00f6gerliche Einstellung der Politik zum Genome-Editing auch in einer Erfahrung aus dem Jahr 2003, als der Versuch scheiterte, das reproduktive Klonen in einer v\u00f6lkerrechtlich bindenden Konvention global zu \u00e4chten. &#8230;\u00a0Im Gegensatz zum reproduktiven Klonen ist allerdings beim Genome-Editing durch die rasanten Entwicklungen der letzten zwei Jahre eine anwendungsnahe Situation entstanden, die hinsichtlich ihrer potenziellen Konsequenzen deutlich dringlicher erscheint.<\/p>\n<p>&#8230;\u00a0es stimmt zwar, dass der Mensch immer wieder und zunehmend intensiv, beschleunigend und irreversibel in das hochkomplexe Gef\u00fcge der Evolution eingreift. &#8230;\u00a0Dennoch kommt dem Genom wegen seiner Pr\u00e4gekraft f\u00fcr das individuelle und kollektive Selbstverst\u00e4ndnis des Menschen faktisch wie symbolisch eine besondere, wenn auch nicht exzeptionelle Rolle zu, sodass trotz all seiner Wandelbarkeit und Vielfalt seine Ver\u00e4nderung nicht einfach nach den g\u00e4ngigen Kategorien der Folgenverantwortung <em>[also des Konzeptes des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konsequentialismus\">Konsequentialismus<\/a>. Vgl. <a href=\"http:\/\/www.katholisches.info\/2017\/10\/eine-kirche-die-sich-anpasst-wird-nicht-mehr-imstande-sein-zu-missionieren\/\">Prof. Robert Spaemann<\/a>: \u201eSeifert ist auch ein Kritiker der Theorie des Konsequentialismus, die der Papst selbst lehrt&#8230;\u201cAnm. Damian]<\/em> menschlicher Handlungen bewertet werden kann, sondern umfassendere Reflexionsprozesse voraussetzt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Forderungen an Wissenschaft und Gesellschaft:<\/p>\n<blockquote><p>Deshalb hat sich die Wissenschaftsgemeinschaft ihrerseits um ergebnisoffene Gespr\u00e4che mit allen relevanten Gruppen der gesellschaftlichen \u00d6ffentlichkeit zu bem\u00fchen. Parallel dazu k\u00f6nnen und m\u00fcssen die politischen Institutionen Wege finden und Verfahren einleiten, um die zahlreichen noch offenen Fragen und m\u00f6glichen Konsequenzen systematischer Genommanipulationen durch Genome-Editing intensiv, differenziert und vor allem weltweit zu er\u00f6rtern und gebotene regulatorische Standards m\u00f6glichst schnell und umfassend zu etablieren. Bevor also weiterhin Fakten geschaffen werden, deren Konsequenzen irgendwann irreversibel sein m\u00f6gen, m\u00fcssen&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Weiteren pr\u00e4zisieren die <em>Empfehlungen des Deutschen Ethikrates<\/em>, welche Fragen und Probleme im Einzelnen beantwortet und gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Aussendung schlie\u00dft mit der Feststellung<\/p>\n<blockquote><p>Dennoch <em>[trotz zu erwartender Kontroversen]<\/em> ist auch schon die Artikulation und Er\u00f6rterung dieser Fragen von enormer Bedeutung f\u00fcr das kulturell plurale Selbstverst\u00e4ndnis der Menschheit.<\/p><\/blockquote>\n<p>und der Forderung<\/p>\n<blockquote><p>Sie sollten\u00a0&#8230; auf der ihrer globalen Bedeutung angemessenen Ebene in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit ger\u00fcckt werden: der Ebene der politisch organisierten Weltgesellschaft in Gestalt der Vereinten Nationen. Hier sind unterschiedliche Formate denkbar: von einer gro\u00dfen internationalen Konferenz, die deutlich machen k\u00f6nnte, dass Genome-Editing zum Zwecke der therapeutisch motivierten Keimbahnver\u00e4nderung eine Frage von grunds\u00e4tzlich weltgesellschaftlicher und nicht nur wissenschaftlicher Bedeutung ist, \u00fcber die Festlegung von global verbindlichen Sicherheitsstandards bis hin zu m\u00f6glichen Resolutionen oder v\u00f6lkerrechtlichen Konventionen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Zitate wurden am 4.10.2017 entnommen der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ethikrat.org\/dateien\/pdf\/empfehlung-keimbahneingriffe-am-menschlichen-embryo.pdf\/\">Ver\u00f6ffentlichung<\/a>\u00a0auf der Webseite ethikrat.org.<\/p>\n<p>Dem deutschen Ethikrat ist zu danken f\u00fcr diesen Versuch, die \u00f6ffentliche Diskussion anzuregen. Meine urspr\u00fcnglich geplante \u00dcberschrift\u00a0<em>Deutscher Ethikrat mahnt dringend zu globaler <span style=\"text-decoration: underline;\">Regulierung<\/span> von Keimbahneingriffen<\/em> musste ich jedoch nach sorgf\u00e4ltiger Lekt\u00fcre revidieren. So weit lehnt sich der deutsche Ethikrat nicht aus dem Fenster. Er mahnt nur dringend zu globaler <span style=\"text-decoration: underline;\">Diskussion<\/span>, damit es vielleicht unter Umst\u00e4nden, wenn alle einverstanden sind, auch zu einer Regulierung k\u00e4me &#8230;<\/p>\n<p>Immerhin Diskussion.<\/p>\n<p>Nicht wie bei Merkels handstreichartiger Abschaffung der staatlichen Privilegierung der (zweigeschlechtlichen) Ehe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keimbahneingriffe sind Manipulationen am Erbgut von Embryonen, welche auch an deren Nachkommen weitervererbt werden. 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