Zu Hw. Alipius: „Was tun…?“ Die Zumutung der Unauflöslichkeit

Erst hat mich der Kommentar von Ultramontanus ja geärgert. Hat der doch einfach den Text von Alipius genommen und umgemünzt auf die Situation von homoerotisch empfindenden Menschen. Und sich damit auf billige Weise darum gedrückt, auf die Argumentation von Alipius einzugehen. Alipius hat sich aber auf diesen Kommentar eingelassen, sauber dagegen gesprochen und die einzige würdevolle und liebevolle Lösung präsentiert. Letztlich ganz einfach, wenn auch täglich neu zu erringen.
Als ich aber entdeckte, dass diese Aussage sich wiederum problemlos ümmünzen lässt auf die Situation von sich Liebenden, von denen einer aus möglicherweise tragischen Gründen anderweitig verheiratet ist, war ich baff.

Würde sich dann so anhören:

Wenn beide tatsächlich in lebenslangem Zwangszölibat zu leben bereit sind und dies auch tun, sehe ich eigentlich das Problem nicht. Die Kirche spricht sich gegen sexuelle Praxis unter Unverheirateten aus, nicht gegen Leute, die unter einem Dach wohnen, keusch leben und sich gegenseitig helfen wollen, ein gottgefälliges Leben zu führen. Hier muß eigentlich keine Lösung gefunden werden, denn es gibt weder etwas zu segnen (da keine Ehe vorliegt (tät sie auch nicht, wenn die beiden Sex hätten…)) noch gibt es etwas zu verurteilen (da kein außerehelicher/gleichgeschlechtlicher/sonstwasiger Sex vorliegt).

Die Kirche (in der Nachfolge des Herrn) mutet den Menschen in einer neuen Partnerschaft nach einer „gescheiterten“ Ehe also nicht zu, auf die Hl. Kommunion zu verzichten. Sie mutet ihnen auch nicht zu, ihre innige, von gegenseitigem Respekt, von Zuneigung und von Beistand geprägte Beziehung aufzugeben. Sie mutet ihnen eine klitzekleine Kleinigkeit zu: auf den ehelichen Akt zu verzichten. Und das aus Respekt und Liebe zu der immer noch bestehenden Ehe des einen Partners oder beider Partner.

Diese Zumutung ist für die Welt allerdings eine Ungeheuerlichkeit. Und das nicht erst heute, wo sexuelle Betätigung quasi zum Menschenrecht und sexuelle Orientierung zum identitätsstiftenden Merkmal stilisiert wird, und wo Eros und Agape unterschiedslos mit „Liebe“ bezeichnet wird.

Diese Zumutung wurde nicht von der Kirche erfunden. Sie geht höchstpersönlich ohne exegetischen Zweifel auf Jesus von Nazareth, den Christus, zurück. Sie ist integraler Bestandteil des berühmtesten, weil weitestgehenden und praktisch unzumutbarsten moralischen Codex der Menschheit, der Bergpredigt. Und damit nicht genug. Als ob die Unauflöslichkeit der Ehe die anderen Maximalforderungen der Bergpredigt noch überträfe, wird sie als einzige von den Anhängern Jesu in Frage gestellt. So, als ob die Forderung nach Unauflöslichkeit der Ehe dieselbe ad absurdum führen würde:

Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Mt 19,10

Die Antwort des Herrn bestätigt nur noch die Ungeheuerlichkeit der Forderung:

Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Mt 19,11

Nun wurde dieses Herrenwort ja gewöhnlich so ausgelegt, als ob hier unmittelbar ein Lob des Zölibat ausgesprochen worden sei. Doch erstens hatten die Jünger nicht gesagt „… gut, nicht zu heiraten.“, sondern „… nicht gut zu heiraten.“ Und zweitens ist mit dem unfassbaren Wort nicht die Erwiderung der Jünger, sondern die vorausgende Forderung nach Unauflöslichkeit der Ehe gemeint.

Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Mt  19,6

Wenn aber die eheliche=sexuelle Verbindung an dermaßen hohe Forderungen geknüpft ist, heißt das im Umkehrschluss, dass sexuelle Enthaltsamkeit der Normalfall ist. Und als Trost und Vorbild stellt der Herr den Jüngern drei Gruppen von Menschen vor Augen, denen die sexuelle Betätigung versagt ist:

  • die angeborenermaßen in der Ausübung der Sexualität Behinderten
  • die aus sozialen Gründen in der Ausübung der Sexualität Behinderten
  • die in freiwilliger sexueller Enthaltsamkeit Lebenden

Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es. Mt 19,12

Zu diesem Normalfall des menschlichen Lebens – der sexuellen Enthaltsamkeit – sind eben auch jene Frau und jener Mann eingeladen, die aus mehr oder weniger tragischen Gründen eine Wohn- und Lebensgemeinschaft abseits ihres angetrauten Ehepartners führen.

Eine besondere Ermutigung in einer solchen Lebenssituationen sind Menschen, die die freiwillige Ehelosigkeit um des Himmelreiches auf sich genommen haben.

Agape hat übrigens mindestens so viel mit Distanz wie mit Nähe zu tun.

Mt 19

 

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