Lieber Papst Benedikt, nicht nur die Kommission Ecclesia Dei ist schuld.

„… erst im Zusammenhang mit der Exkommunikationsaufhebung ausgestrahlt“ heißt es im heutigen Artikel auf katholisches.info.
Es war sogar so, dass das genaue Timing der Ausstrahlung des Interviews offenbar nur mit Insiderwissen aus dem Vatikan möglich war. Das Dekret zur Aufhebung der Exkommunikation wurde am Vormittag des 21.1.2009 unterzeichnet, aber erst am 24.1.2009 veröffentlicht. Das schon am 1.11.2008 aufgezeichnete Interview mit Williamson wurde am Abend des 21.1.2009, also exakt am Tage der Unterzeichnung, ausgestrahlt. Durch die Ausstrahlung nach Unterzeichnung, aber vor Bekanntgabe, konnte der medienpsychologisch wichtige Effekt erzielt werden, dass man glauben musste, das Dekret sei trotz des Wissens um die Aussagen Williamsons erfolgt. Andererseits zeigt die Ausstrahlung erst nach Unterzeichnung des Dekrets, dass bei den Strippenziehern und Mitwissern keine Absicht bestand, die Exkommunikation Williamsons zu verhindern, sondern Papst Benedikt maximal zu schädigen.
Ergänzend ist zu sagen, dass vor der Ausstrahlung zwei Institutionen vorab informiert worden waren: Das Magazin SPIEGEL, welches online und in der Print-Ausgabe 2 Tage zuvor die Ausstrahlung ankündigte, sowie laut SPIEGEL der Zentralrat der Juden in Deutschland.
Bei beiden Institutionen stellt sich die Frage, ob sie eine Verhinderung der Aufhebung der Exkommunikation Williamsons wirklich gewollt haben, wenn sie denn nicht zuvor interveniert haben. Weiter stellt sich die Frage, ob ein personell gut bestücktes Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz, bei dem man davon ausgehen muss, dass es die deutsche Medienlandschaft zu kirchlichen Themen beobachtet, nach Erscheinung des Spiegelartikels am Montag, den 19.1.1009 nicht innerhalb von 24 Stunden noch eine Alarmmeldung nach Rom hätte machen können. Vielmehr nahm der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch, der die Zeitabfolge von Unterzeichnung, Ausstrahlung und Veröffentlichung des Dekretes kennen musste, Papst Benedikt nicht in Schutz, sondern unterstellte Papst Benedikt eine Kenntnis, indem er es als „unglücklich“ bezeichnete, dass der Papst die in der Ausstrahlung veröffentlichten Äußerungen bei seiner Entscheidung nicht mit in Betracht gezogen habe. Kardinal Sterzinsky wiederum behauptete, weltweit, also auch ihm, sei die Holocaust-Leugnung Williamsons vorher bekannt gewesen. Er spricht nicht davon, dass er versucht habe, im Vatikan gegen eine Aufhebung der Exkommunikation einzuschreiten.
Andererseits heißt es vom schwedischen Episkopat, dass von diesem eine Warnmeldung nach Rom gemacht worden sei. Wer hat im Vatikan in der Weiterleitung dieser Nachricht an den Papst versagt oder eine solche hintertrieben?
Jedenfalls scheint mir, dass ohne eine Bandbreite von gemeinsam auch in böser Absicht handelnden inner- und außerkirchlichen Akteuren das dann ablaufende Szenario nicht möglich gewesen wäre.

Peter Wensierski und seine Kollegen vom antikirchlichen Magazin „Der SPIEGEL“ interpretieren das bei gleicher Schilderung des Ablaufes der Ereignisse naturgemäß konträr. Wensierski brüstet sich in diesem Artikel geradezu, dass er dem Vatikan eine Reaktionszeit von 2 Tagen gelassen habe, um auf seinen Artikel hin (!) das Dekret einzufrieren. Glückwunsch, Herr Wensierski, Sie haben das gut eingefädelt. Ob mit oder ohne Reaktion des Vatikan – es konnte nicht anders kommen, als dass Sie die Weltgeschichte beeinflussen.

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