Priesterschwemme – Neupriestermangel

Cathocon hat gestern ein anrührendes Zehnpunkteprogramm für mehr Priesterberufungen gepostet. Das meine ich ganz positiv und kann fast alles so unterschreiben. Und doch sehe ich die Situation dramatischer, als dass sie mit einem noch so guten Programm bewältigt werden könnte.

Es gibt in Europa keinen Priestermangel, zumindest wenn man die Zahl der Priester auf die Zahl der Katholiken oder auch der Gesamtbevölkerung bezieht und dies mit den Zahlen aus der Weltkirche vergleicht. Im August hatte ich dies mit den öffentlich zugänglichen statistischen Zahlen der Weltkirche dargelegt und aufbereitet. Eine manchmal gefühltes Übermaß von zu versorgenden pfarrlichen Verwaltungseinheiten oder Kirchenbauten, welches von dem einzelnen Priester bewältigt werden muss, ist historisch bedingt durch die in den vergangenen Jahrhunderten herrschende Situation der Volkskirche mit geradezu unverschämt bequemen Entfernungen zum nächsten priesterlichen Seelsorger. Eine solcher gefühlter Mangel an verwaltungskompetenten Priestern wird leider immer wieder missbraucht zu nivellierenden Angriffen auf die priesterliche Identität selbst. Die Antwort auf diese Situation hat der Heilige Vater in seiner Konzerthausrede gegeben: Rückbau von Strukturen. Wollte man in der Weltkirche für eine gerechte Verteilung der Priester sorgen, müsste man von hier ungefähr die Hälfte der Priester abziehen und nach Amerika oder Afrika schicken.
Ein Beispiel für eine blühende Ortskirche ist nach einer neuesten Meldung die römisch-katholische Kirche von Vietnam mit 1500 Seminaristen. Umgerechnet auf das Bistum Mainz wären das 170 Priesteramtsanwärter.

Dagegen gibt es einen erschreckenden Neupriestermangel in Westeuropa, besonders den deutschsprachigen Ländern. Der Klerus ist nicht mehr in der Lage, sich zahlenmäßig zu erneuern. Wenn ein Lebewesen nicht mehr in der Lage ist, sich zu vermehren oder wenigstens fortzupflanzen, nennt man es unfruchtbar. Wenn also die deutschsprachige Geistlichkeit nicht mehr in der Lage ist, den Samen des Wortes so auszustreuen, dass er emporwächst und Frucht bringt und so auch neuer Priesternachwuchs zustande kommt, muss man sie als unfruchtbar bezeichnen. Die Antwort auf diese Situation hat der heilige Vater in der Hl. Messe im Olympiastadion gegeben. Oder war es sowieso das reguläre Evangelium? So war es Fügung. In seiner Predigt zitiert der Heilige Vater aus dem Evangelium:

Weiter fährt der Herr in seiner Rede fort: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt, … denn getrennt von mir – wir könnten auch übersetzen: außerhalb von mir – könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,4f).

Vor diese Entscheidung ist jeder von uns gestellt. Wie ernst sie ist, sagt uns der Herr wiederum in seinem Gleichnis: „Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen“ (Joh 15,6) Dazu meint der heilige Augustinus: „Eines von beiden kommt der Rebe zu, entweder der Weinstock oder das Feuer; wenn sie nicht im Weinstock ist, wird sie im Feuer sein; damit sie also nicht im Feuer sei, möge sie im Weinstock sein“ (In Ioan. Ev. tract. 81,3 [PL 35, 1842]).

Wendet man dieses Evangelium in voller Konsequenz auf die weitgehende Unfruchtbarkeit der westeuropäischen und besonders deutschsprachigen Kirche an, bekommt man eine Ahnung von der geistlichen Dramatik, die sich vor unseren Augen vollzieht. Da ist man mit Gewissensindividualismus, liturgischer Willkür, geistlichem Relativismus, deutschem Sonderweg, Hermeneutik des Bruchs, etsi-deus-non-daretur-Exegese und ständiger latenter oder heimlicher antipäpstlicher Agitation doch schon längst vom in der weltweiten römisch-katholischen Kirche wirkenden Gnadenstrom abgeschnitten, auch wenn ich dies nicht wie mancher schon als Schisma bezeichnen will.

Wie der Zusammenbruch des tatsächlichen Gemeindelebens auch an der Statistik der PGR-Wahlen deutlich wird, hatte ich ja erst vor 6 Tagen beschrieben. Die Behauptung von Kurienkardinal Grocholewski, die Gesellschaft oder die Medien seien schuld,
wird ja – wie auch schon cathocon festgestellt hatte – von der Fruchtbarkeit der traditionistisch orientierten Gemeinschaften Lügen gestraft.

So kann ich weder der Schuldzuweisung des einen Kardinals noch dem Heil (wo es imnsho kein Heil gibt, Ez 13,10ff.) des anderen Kardinals folgen. Ich habe da eher das Feuer von Joh 15,6 aus dem Berliner Olympiastadion vor Augen und meine, auf dieses für die deutschen Katholiken bedeutsame Evangelium hin müsste es eine Welle der Buße und Zerknirschung geben.

 

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