Stille Post mit der Vater-Unser-Bitte: Irrtum gebiert Irrtum

Die neue Bibelübersetzung der italienischen Bischofskonferenz von 2008 lieferte bereits eine Version der Vater-Unser-Bitte „führe uns nicht in Versuchung“, mit welcher aus einem falschen Verständnis dieser Bitte versucht wird, das vermeintliche irreführende Gottesbild glatt zu bügeln, mit dem Ergebnis, dass das Gegenteil erreicht wird. Es heißt im italienischen Original der neuen bischöflichen Bibelübersetzung von 2008 nämlich

„non abbandonarci alla tentazione“ (=überlasse uns nicht der Versuchung).

Irgendwie scheint in der ganzen Debatte noch niemand gemerkt zu haben, dass ja eine Bitte an Gott, etwas nicht zu tun, aus rein logischen Gründen die Überzeugung von der Möglichkeit aussagt, dass Gott das genau tut, worum man ihn bittet, es nicht zu tun.

Wer Gott bittet, ihn nicht in Versuchung zu führen – im rechten Verständnis: ihn nicht auf die Probe zu stellen – gibt die Möglichkeit zu, dass Gott ihn auf die Probe stellt. In einem solchen als möglich gedachten Handeln Gottes ist Gott unser direktes Gegenüber. Gott handelt an uns, auch wenn es unangenehm ist, und ist uns auf diese Weise nahe. Gott hat die Kontrolle.

Anders ist es, wenn jemand Gott bittet, ihn nicht der Versuchung zu überlassen. Das klingt mehr nach einem Preisgegeben werden durch Gott und dieses Verb preisgeben ist tatsächlich auch eine der Übersetzungsmöglichkeiten für abbandonare.  Andere Übersetzungsmöglichkeiten sind im Stich lassen, fallen lassen, aussetzen. Mit dieser Übersetzung wird für möglich gehalten, dass Gott die Beziehung aufgibt.

Anlass dieser erneuten Beschäftigung mit der Vater-Unser-Bitte war die heutige Meldung Italiens Bischöfe: veränderte Vaterunser-Bitte in der Messe. Eine nähere Untersuchung dieser Meldung ergab folgendes Ergebnis:

Der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz zitiert falsch die Vaterunser-Bitte und wird wiederum durch die Nachrichtenagentur kathpress (KAP) falsch übersetzt.

Bischof Galantino macht aus dem Plural einen Singular: „non abbandonarmi alla tentazione“ (=überlasse mich nicht der Versuchung). Quelle: La Stampa

Da ich mal davon ausgehe, dass sowohl Bischof Galantino als auch der berichtende Vatikanist von La Stampa das Vaterunser beherrschen, kann diese Vereinzelung des Beters im Singular wohl kein Versehen sein.

Die Nachrichtenagentur kathpress, deren Meldung in kath.net-Artikel verwendet wird, liest statt „alla“ „nella“, so dass sich die falsche Übersetzung („verlasse mich nicht in/angesichts der Versuchung“) ergibt.

Also wird hier gar die Möglichkeit ausgesagt, dass Gott den Beter verlässt.

Grauslich.

P. S. Es gibt tatsächlich eine Bibelstelle, welche davon spricht, dass Gott Menschen preisgibt: Röm 1,26. Laut dieser Aussage werden solche Menschen, die, obwohl sie Gott kennengelernt haben, den Menschen oder die Natur an die Stelle Gottes setzen, den schändlichen Leidenschaften der Unzucht und homosexueller Praktiken preisgegeben.

Ganz einfach: Und führe uns nicht in Versuchung…

Es ist ganz einfach: man muss lediglich sauber unterscheiden zwischen 1. jemanden in Versuchung führen und 2. jemanden versuchen. Die Ausdrücke klingen zwar ähnlich, beschreiben aber zwei grundverschiedene Sachverhalte. Der Bibeltext unterscheidet (vergleiche die im folgenden zitierten Stellen in der Interlinearübersetzung NT) zwischen den beiden Ausdrucksformen; etliche Übersetzungen (einschließlich Einheitsübersetzung), Exegeten, Bischöfe und Papst (siehe Links beim Kreuzknappen, welcher letztlich auch diesen Artikel bei mir induziert hat) tun das leider nicht; am besten sind in dieser Hinsicht noch Elberfelder und Menge-, auch Luther-Bibel. „Ganz einfach: Und führe uns nicht in Versuchung…“ weiterlesen

Die genetische Atombombe: Deutscher Ethikrat mahnt dringend zu globaler Diskussion von Keimbahneingriffen

Keimbahneingriffe sind Manipulationen am Erbgut von Embryonen, welche auch an deren Nachkommen weitervererbt werden. Solche künstlichen Erbgutveränderungen werden also weiterverbreitet und bleiben möglicherweise dauerhaft im Erbgut der Menschheit erhalten. Da in den letzten Monaten „rasante“ Fortschritte in der entsprechenden genetischen Technik gemacht wurden, drängt der Deutsche Ethikrat nun auf eine rasche globale Regulierung durch ethische Richtlinien Diskussion ethischer Implikationen. „Die genetische Atombombe: Deutscher Ethikrat mahnt dringend zu globaler Diskussion von Keimbahneingriffen“ weiterlesen

Das gegenwärtige kirchengeschichtliche Drama

Kommentar zum Artikel Der überforderte Papst:

Das gegenwärtige kirchengeschichtliche Drama ist kaum zu verstehen; es scheint mir ein Mysterium, vergleichbar dem freiwilligen Gang des Herrn nach Jerusalem, den seine Jünger auch nicht verstanden. Vielleicht liegt das Verständnis verborgen in jenem geheimnisvollen Schritt Benedikts, das Amt (ministerium) des Bischofs von Rom aufzugeben und den Bischofssitz (sedes) von Rom (auch genannt sedes Sancti Petri, also Stuhl des Hl. Petrus) zu verlassen, ohne dem Petrusamt (munus Petrinum) abzusagen. „Das gegenwärtige kirchengeschichtliche Drama“ weiterlesen

Die „Pille danach“ und Plädoyer für Manfred Lütz

Kommentar zum Artikel Metamorphose der Akademie für das Leben: Papst-Kritiker und Lebensrechtler raus – zweideutige Positionen rein

Es ist unrecht, erst recht aufgrund von bloßen Gerüchten, Dr. Manfred Lütz als Mit-Verursacher des deutsch-katholischen Einknickens im Thema „Pille-danach“ zu brandmarken. Fakt ist, dass er sich öffentlich zu dem Thema nicht geäußert hat; zu vermuten ist, dass er sich als Psychiater fachlich nicht in der Lage sah, seinen gynäkologischen Chefarzt-Kollegen zu widersprechen. „Die „Pille danach“ und Plädoyer für Manfred Lütz“ weiterlesen

Leiden an falscher Zelebration – wie ich damit umgehe

Mein Beitrag zu der bei Tradition und Glauben begonnenen und bei Katholisch ohne Furcht und Tadel fortgeführten Diskussion:

Zur Richtigkeit einer FE*-Zelebration kann ich gar nichts sagen, da ich darüber zu wenig weiß. Zu einer Alten Messe habe ich auch nur gelegentlich die Möglichkeit, da es schon recht schwierig ist, meine heranwachsenden Kinder öfter als ausnahmsweise einmal sonntags um 7 Uhr aus dem Bett zu holen, um die nächst gelegene Alte Messe aufzusuchen. „Leiden an falscher Zelebration – wie ich damit umgehe“ weiterlesen

Des neuen Bischofs Worte

Die abgebildete Wortwolke wurde zusammengestellt aus den wörtlichen Zitaten, welche die Pressestelle des Bistums Mainz unter der Überschrift Positionen von Professor Dr. Peter Kohlgraf aus bisherigen Publikationen veröffentlicht hat. Es mag dahingestellt bleiben, ob die Auswahl eher das Denken des ernannten Bischofs oder die Präferenzen der Pressestelle widerspiegelt. Ich gehe davon aus, dass die Auswahl zumindest autorisiert ist. Ich habe die zugrundeliegende Wortliste geringfügig bearbeitet. So habe ich verschiedene Formen des gleichen Wortes zusammengefasst und Hilfsverben gestrichen. Der größte Eingriff war, 9 mal Wirklichkeit und 3 mal Realität zu 12 mal Wirklichkeit zusammenzufassen.

Die Wortwolke bestätigt, was mir schon zuvor an Texten von Herrn Prof. Kohlgraf aufgefallen war: die häufige Verwendung des Begriffes „Wirklichkeit“. Man darf gespannt sein, wie der ernannte Bischof diesen für ihn offenbar zentralen Begriff definieren wird und wie dies seine erwartungsgemäß lange Amtszeit von 30 Jahren prägen wird.

 

 

Die Wortwolke wurde mit diesem Hilfsmittel erstellt.

AL: bitte Argumente zur Sache, keine Unterstellung einer Absicht

Mein (leicht redigierter) Kommentar zum kath.net-Artikel Schweigen des Papstes zu den ‚dubia’ der vier Kardinäle ist verwirrend:

Leider habe ich bei keinem Kritiker der Dubia je ein Argument zur Sache gelesen, dafür umso mehr Angriffe gegen die angeblichen Absichten der Urheber und Unterstützer der Dubia. Dabei wird ein logischer Argumentationsfehler begangen, den C. S. Lewis „Bulverism“ genannt hat. … „AL: bitte Argumente zur Sache, keine Unterstellung einer Absicht“ weiterlesen