Stille Post mit den Äußerungen von Kardinal Brandmüller

Mein Kommentar und Ergänzungen zu Kein Ultimatum gegenüber Franziskus auf kath.net:

Im Original liest sich das schon wieder ganz anders. Besser, als wenn kath.net Radio Vatikan zitiert, Radio Vatikan Vatican Insider und Andrea Tornielli auf Vatican Insider wiederum die Zitate von Kardinal Brandmüller mit eigenen Deutungen schmückt. Dieser wiederum äußert Vermutungen darüber, wovon Kardinal Burke seiner Meinung nach überzeugt ist.
Kann sich jemand erinnern, wie er als Kind „Stille Post“ gespielt hat?

Wenn man sich lediglich an die wörtlichen Zitate von Kardinal Brandmüller hält und auch die manipulierenden Deutungen von Vatican Insider beiseite lässt, bleibt Folgendes:
Kardinal Brandmüller stellt vor allem fest, was Kardinal Burke nicht gesagt hat.

  • „Cardinal Burke did not specify a deadline…“ dt.: Kardinal Burke hat kein Ultimatum gestellt, sondern nur gesagt, dass das Thema erst nach der Feier des Weihnachtsfestes weiter behandelt werden solle.
  • Burke „did not say that a potential fraternal correction – such as the one quoted in Galatians 2:11-14 must be made publicly“, dt.: „Burke sagte nicht, dass eine mögliche brüderliche Zurechtweisung – wie die in Gal 2,11-14 berichtete – öffentlich erfolgen muss.“
  • „I believe that Cardinal Burke is convinced that a fraternal correction must in the first instance be made in camera caritatis“ dt.: „Ich glaube, dass Kardinal Burke davon überzeugt ist, dass eine brüderliche Zurechtweisung zunächst einmal (!) unter vier Augen erfolgen muss.“
  • „I must say that the cardinal(s) has expressed his own opinion in complete independence and may of course be shared by the other cardinals too“ dt.: „Ich muss sagen, dass der Kardinal seine Meinung in völliger Unabhängigkeit ausgedrückt hat, und es ist natürlich möglich, dass sie von den anderen Kardinälen geteilt wird.“
  • „We cardinals expect a response to the ’dubia’, as the lack of a response would be seen by many within the Church as a rejection of the clear and articulate adherence to the clearly defined doctrine.“ dt.: „Wir Kardinäle erwarten eine Antwort auf die ‚Dubia‘ insofern, als das Ausbleiben einer Antwort von Vielen in der Kirche als Ablehnung einer klaren und deutlichen Befolgung der klar definierten Lehre angesehen werden könnte.“

Ich kann in diesen Worten keinerlei Distanzierung oder Zurückrudern erkennen, sondern lediglich eine Zurückweisung von falschen Interpretationen der Worte von Kardinal Burke.

Es ist interessant zu beobachten, wie Andrea Tornielli Kardinal Brandmüllers Worte verdreht. Der Kardinal hatte dem wörtlichen Zitat nach nur geäußert, er glaube, dass Kardinal Burke (!) der Überzeugung sei, eine brüderliche Zurechtweisung müsse zunächst bzw. in erster Instanz (!) – in the first instance – unter vier Augen („in camera caritatis“) erfolgen. In dem vorangesetzten einleitenden Satz macht Tornielli aus der gemutmaßten Überzeugung Burkes eine genuine Überzeugung Brandmüllers und erweckt damit den Anschein, als wolle sich Brandmüller von Burke absetzen, was überhaupt nicht der Fall ist.

Weiterhin unterschlägt Tornielli den wesentlichen einschränkenden Passus „in the first instance“. Wenn in erster Instanz die brüderliche Zurechtweisung nach Mt 18,15 unter vier Augen erfolgt, so schließt das eben nicht bei Erfolglosigkeit eine spätere öffentliche Zurechtweisung – in dritter Instanz nach Mt 18,17 – aus. Durch die Weglassung des einschränkenden Passus verkehrt Tornielli die Aussage Brandmüllers glatt in ihr Gegenteil. Wenn auch im Text das wörtliche Zitat die Fehldeutung erkennen lässt, wird doch durch die Schlagzeile und den Untertitel die Falschmeldung verbreitet:

Any fraternal correction proposed to the Pope must be presented in camera caritatis

Cardinal Brandmüller … is apparently [!] convinced he [Burke] is not making a public step

Die deutsche Sektion von Radio Vatikan (Link siehe oben) transportiert die Falschmeldung in Titel und erstem Satz des Artikels weiter und verstärkt sie noch. Wenn auch weiter unten im Artikel korrekt erwähnt wird, dass es sich um die (gemutmaßte!) Absicht Burkes handele (, dass eine brüderliche Zurechtweisung unter vier Augen erfolgen muss), wird doch im ersten Satz dies wiederum als Auffassung Brandmüllers hingestellt, wobei das abschwächende „apparently“ (=augenscheinlich=Meinung des Andrea Tornielli) des Vatican Insider hier schon fehlt und das Ganze als Tatsache verkauft wird. Der entscheidende Passus „in the first instance“ fehlt bei Radio Vatikan völlig.

Weiter unterschlägt Radio Vatikan den bestimmten Artikel vor „Kardinäle“, so dass die von Brandmüller genannte selbstverständliche („of course“) Möglichkeit einer übereinstimmenden Meinung (zu einer möglichen brüderlichen Zurechtweisung) sich nicht mehr auf die anderen drei Unterzeichner der Dubia bezieht, sondern auf unbestimmte Mitglieder in den Weiten des Kardinalskollegiums.

Zusammenfassung
  • Kardinal Brandmüller hat gesagt: Kardinal Burke hat nicht gesagt, dass eine brüderliche Zurechtweisung öffentlich erfolgen muss.

Logischer Schluss: Es kann – nach Aussage Burkes in der Zitierung Brandmüllers – sowohl eine private als auch eine öffentliche Zurechtweisung des Papstes geben

Brandmüller hat gesagt, er glaube, dass nach Überzeugung Burkes eine brüderliche Zurechtweisung in erster Instanz unter vier Augen erfolgen soll.

Logischer Schluss: Eine öffentliche Zurechtweisung – nach Mt 15 in dritter Instanz – ist nicht ausgeschlossen

Brandmüller hat bezüglich einer möglichen Zurechtweisung selbst keine Stellung genommen, sondern nur Aussagen und von ihm gemutmaßte bibelgemäße Absichten Burkes referiert

  • Die Medien (der Hofberichterstatter des Papstes und die Medienanstalt des Papstes) titeln: Laut Kardinal Brandmüller darf/soll es keine öffentliche Zurechtweisung des Papstes geben.

 

Handelt es sich hier um das Kinderspiel „Stille Post“ oder um ein Beispiel medialer Manipulation? Scheint hier das Ziel durch, einen Keil zwischen Brandmüller und Burke zu treiben?

Falscher Vergleich, Kardinal Marx!

Mein Kommentar zum Artikel Kardinal Marx: Tempelberg-Auftritt war nicht gut vorbereitet gewesen:

Das Tragen eines Kreuzes am Körper und das Ausrollen einer Mohammed-Fahne sind ein falscher Vergleich. Ein Symbol am Körper bezeichnet die Zugehörigkeit des Trägers, ein Symbol am Ort bezeichnet die Zugehörigkeit des Ortes.
Demnach wäre ein passender Vergleich, wenn ein Domschweizer von einer Muslima verlangen würde, bei der Besichtigung der Kathedrale das Kopftuch abzulegen (was weder er noch sie tun würde). „Falscher Vergleich, Kardinal Marx!“ weiterlesen

Quo vadis, Kardinal Koch?

 

Zum Artikel Kardinal Koch: Luther wurde von drei Päpsten rehabilitiert

Der hier so genannte Ökumene-Experte Hoff vertritt das protestantische Ökumene-Konzept des kleinsten gemeinsamen Nenners. Dafür sollen katholische Christen dann 70% dessen, was sie in 2000 Jahren durch den Heiligen Geist gelehrt wurden, über Bord werfen, wie es die Reformatoren bereits vor 500 Jahren getan haben, sprich protestantisch werden. „Quo vadis, Kardinal Koch?“ weiterlesen

Quo vadis, Bischof Stefan Oster?

Der bisher so hoffnungsvoll gestartete Bischof Stefan Oster von Passau hat am 20 Juli auf seiner Webseite den Artikel „Brief an die Priester im Nachgang zum päpstlichen Schreiben ‚Amoris laetitia‘ (AL)“ veröffentlicht. Darin bekräftigt er das JEIN von AL mit einem ebenso klaren JEIN. „Quo vadis, Bischof Stefan Oster?“ weiterlesen

Wenn es nur einen Papst geben kann – welcher ist der rechtmäßige?

Mein Kommentar zum Artikel Benedikt XVI. der letzte Papst? „Alles ist möglich“, meint Benedikt selbst auf katholisches.info.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Benedikt XVI. in der Liste der Päpste nach den sogenannten Weissagungen des Malachias nicht der letzte, sondern der vorletzte Papst („Gloria olivae“) wäre. „Wenn es nur einen Papst geben kann – welcher ist der rechtmäßige?“ weiterlesen

Lieber Papst Benedikt, nicht nur die Kommission Ecclesia Dei ist schuld.

„… erst im Zusammenhang mit der Exkommunikationsaufhebung ausgestrahlt“ heißt es im heutigen Artikel auf katholisches.info.
Es war sogar so, dass das genaue Timing der Ausstrahlung des Interviews offenbar nur mit Insiderwissen aus dem Vatikan möglich war. „Lieber Papst Benedikt, nicht nur die Kommission Ecclesia Dei ist schuld.“ weiterlesen

Strafrechtliche Ermittlungen gegen Antonio Kardinal Cañizares eröffnet

Der Erzbischof von Valencia hatte in einer Predigt vom 13.5.2016 die Gender-Ideologie und das „Schwulen-Imperium“ kritisiert. Daraufhin hatten feministische Gruppen die Regierung zur strafrechtlichen Verfolgung des Kardinals aufgerufen, wie der Catholic Herald am 7.6. und in der Folge kath.net in deutscher Übersetzung heute berichtet hatten. „Strafrechtliche Ermittlungen gegen Antonio Kardinal Cañizares eröffnet“ weiterlesen

Heute vollkommener Ablass zu gewinnen

Demjenigen Christgläubigen, der das Sühnegebet (»Liebreicher Jesus« [Iesu dulcissime]) öffentlich (in Gemeinschaft) am Herz-Jesu-Fest betet, wird ein vollkommener [siehe Anmerkung am Ende des Artikles] Ablass gewährt; in anderen Fällen wird ein Teilablass gewährt.

„Heute vollkommener Ablass zu gewinnen“ weiterlesen

Brustkrebs: ideologisch unerwünschte Risikofaktoren werden verschwiegen

Meine Ergänzung zum Artikel EurOPA – Die wahren Gründe für den demographischen Winter:

Brustkrebs, in Deutschland die häufigste Krebsart bei Frauen, ist eine besonders tückische Erkrankung, weil sie im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen nicht erst im Rentenalter auftritt, sondern oft viele Jahre früher. Dabei sind die Risikofaktoren bekannt und bei entsprechender Lebensweise wäre die Erkrankung fast vollständig vermeidbar. In Bangla Desh ist Brustkrebs praktisch unbekannt. „Brustkrebs: ideologisch unerwünschte Risikofaktoren werden verschwiegen“ weiterlesen